Petra: Unsere Reise durch Namibia hat uns durch unglaubliche Landschaften geführt. Wir konnten nahezu endlos in die Weite schauen, teilweise ohne dabei etwas grüne Vegetation zu erblicken. Vergleiche mit Mond und Mars sind da naheliegend. Wir haben das Gefühl, sämtliche Arten von Wüsten gesehen zu haben, mal sandig, mal kieselig, mal steinig. Gesteine und Sand in grau, gelb, rot, schwarz und in allen möglichen Mischungen dazwischen. Wenn uns jemand fragte, wie uns Namibia gefällt, so fielen uns zuerst die Adjektive karg, weit und heiß ein. Die Hitze in Namibia ist extrem trocken, die Luftfeuchtigkeit liegt außer in Swakopmund bei unter 10 Prozent, daher hatte der ein oder andere mit rissiger trockener Haut sowie aufgerissenen Lippen zu kämpfen. Nachts bzw. in der Morgenzeit kühlt es sich ein wenig ab oder wird auch mal richtig frisch, bevor ab 10 Uhr die Sonne wieder unerbittlich vom meist wolkenlosen Himmel scheint.
Die Strecken, die man in Namibia zurücklegt, sind eher weit und manchmal kommt man wegen der Straßenverhältnisse auch nicht so schnell voran. Von den 4500 km, die wir in Namibia zurückgelegt haben, fuhren wir meistens auf Erdstraßen, wie Anne zu sagen pflegt, also Schotterpisten mit Fahrrinnen. Daher sitzt man täglich mehrere Stunden im Auto, je nach Landschaft ist das hoch interessant oder tödlich langweilig.

Tim: Zudem hatte ich manches Mal das Gefühl, dass die rechte Seite der gravel road irgendwie besser ausgefahren war, als die Seite, auf der wir fuhren. Möglicherweise lag das daran, dass die meisten Touristen Namibia im Uhrzeigersinn bereisen, um sich den Etosha als Schmankerl für den Schluss aufzuheben. So oder so ist man als Fahrer schön damit beschäftigt, alle naselang die beste Fahrrinne zu finden, um Reifen und Insassen zu schonen. Den Reifendruck an die Straßenverhältnisse anzupassen, ist ebenfalls hilfreich. Immerhin hatten wir während der gesamten Namibia-Reise keinen einzigen Plattfuß.

Petra: Ein Highlight sind während der Autofahrten jedes Mal die Tiere, die auf oder neben der Straße laufen. Oryx, Zebras, Giraffen und noch viele weitere Tiere querten unseren Weg. Kaja hat akribisch eine Liste darüber geführt. Eigentlich nicht verwunderlich, da doch zwei Drittel der Tierwelt Namibias außerhalb der Nationalparks lebt.
Selbst auf den Campsites sahen wir Tiere: Zebras, die direkt vor unserem Dachzelt grasten oder Oryx, Kudus und Elands gingen auf ihren gewöhnlichen Pfaden an uns vorbei.
Manche unserer Campsites waren sehr luxuriös ausgestattet, mit hübschem eigenen Bad und Grillstelle sowie atemberaubender Aussicht weit von den nächsten Campern entfernt. Manchmal gab es aber auch verdreckte Plätze, mit Mäuse- und Vogelkacke oder Kakerlaken auf dem Klo. In der Preisgestaltung spiegelte sich die Qualität nicht wirklich wieder, wir zahlten für die Übernachtung auf den Campsites zwischen 25 und 65 Euro pro Nacht (In Australien haben wir maximal 30 Euro pro Nacht bezahlt). Gerne wird auf den Campsites zusätzlich ein Gamedrive angeboten, das heißt zwei bis drei Stunden Fahrt mit einem offenen Allradfahrzeug auf der Suche nach Tieren. Dieses Angebot haben wir nie wahrgenommen, der Preis dafür ist unverschämt hoch und im Auto hatten wir meist schon genug gesessen. Tiere bekamen wir mit etwas Geduld auch gratis zu sehen. Für die meisten Aktivitäten in Namibia benötigt man einen Extra-Guide, Extra-Drive, Extra-Permit, also immer Extra-Charge. Damit ist Namibia ein teureres Urlaubsland.

Tim: Auch darum geht es Namibia wirtschaftlich nicht so schlecht, wie anderen afrikanischen Ländern. Außerdem hat es nicht wie Südafrika mit Migration aus Nachbarländern zu kämpfen. Korruption in der Regierung ist vorhanden, aber nicht so massiv wie andernorts. Steuern zahlen nur etwa 5% der Bevölkerung, also im Wesentlichen die Weißen. In deren Hand sind auch ungefähr zwei Drittel der kommerziellen Farmen und das ertragreichste Land. Angestellte auf Farmen, in Resorts etc. sind in der Regel Schwarze.
Etwas weniger als ein fünftel der Bevölkerung lebt an der Armutsgrenze. Penetrantes Betteln an Einkaufszentren, das Einfordern von Trinkgeld für das - vollkommen unnötige - Einweisen in einen Parkplatz oder das - leider gebotene - Bewachen desselben sind an der Tagesordnung und nerven. Ein deutschstämmiger Namibier hat sich uns gegenüber einmal darüber ausgelassen, dass die Angehörigen bestimmter ethnischer Gruppierungen nur die Hand aufhalten könnten und ansonsten wenig anstrengungsbereit wären. Nun, wir konnten vielen Schwarzen bei der Arbeit zusehen, im Allgemeinen handelte es sich, wie oben bereits angedeutet, dabei um Dienstleistungen im Niedriglohnsektor, die oft beflissen ausgeführt werden. Effizienz hat dabei nicht immer höchste Priorität, aber das ist eben Afrika. Dann gibt es noch die Sache mit dem Kundenkontakt: Während Kassiererinnen meist sehr freundlich ihrer Arbeit nachgehen, wird man (als Weißer) an der Frischetheke in der Regel mit ziemlichem Widerwillen bedient. Letzteres erlebten wir auch bei anderen Gelegenheiten, seit wir den afrikanischen Kontinent betreten haben, also manifestiert sich darin vermutlich eine generelle Abneigung den (meist reicheren) Weißen gegenüber.
Namibia gilt nach der Mongolei als das am dünnsten besiedelte Land der Erde. Das macht sich sehr deutlich bei der mobilen Kommunikation bemerkbar, LTE-Verbindungen sind extrem selten. In Kambodscha waren sie quasi Standard. Zudem verlangen einige Resorts für die Nutzung ihres Wifis eine Extra-Gebühr - im Jahr 2019 nicht mehr zeitgemäß.

Petra: Wer die Einsamkeit sucht, gerne in die Ferne schaut und einfach nur sein Ding machen möchte, für den ist Namibia der ideale Ort. Hier kann man Ruhe finden. Wir kamen nach fünf Monaten Reisezeit schon tiefenentspannt in Namibia an und wurden noch entspannter und fragen uns jetzt, ob wir uns im geschäftigen Deutschland wieder eingliedern können. Die namibische Landschaft und Tierwelt wird der eindrücklichste Teil unserer Erinnerung sein.