Cambodia

Mobilität in Kambodscha

Wichtigstes Verkehrsmittel in Kambodscha ist der Motorroller. Vom Zwölfjährigen bis zum Greis ist hier nahezu jeder damit unterwegs. Allein, aber gerne auch mal zu dritt oder viert, sofern Kinder mitfahren, oder auch mal mit Hund. Helmpflicht existiert nicht und ein Führerschein ist auch nicht notwendig. Mit den von uns geliehenen Hondas (125ccm) hätten wir Zuhause mit Führerschein Klasse 3 nicht einen Meter fahren dürfen. Hier konnten wir damit bequem die Gegend erkunden. Die Straßen teilt man sich mit allerlei anderen Gefährten. Ohne Frage ist das Tuk-Tuk neben dem Piaggio-APE-Kabinenroller (bzw. dessen indisches Pendant Bajaj RE) das Touristentransportmittel schlechthin. Das Auftanken dieser Verkehrsmittel ist übrigens sehr einfach, überall am Straßenrand gibt es Stände mit Wasser- oder Colaflaschen mit einer gelblichen Flüssigkeit. Dies ist der Sprit, ein Liter ist für unter einem Dollar zu erwerben. Tuk-Tuk-Fahrer ist übrigens ein reiner Männerberuf. Manchmal werden mit dem Tuk-Tuk auch Lasten transportiert, dabei gibt es weder in der Höhe, in der Breite oder beim Gewicht irgendwelche Einschränkungen.
Für noch mehr Lasten gibt es hier Zweiradtraktoren, die wie ein Rasenmähermotor mit Lenkgestänge aussehen. Dahinter befindet sich ein Anhänger mit beliebiger Fracht. Diese Vehikel sind nicht besonders schnell, aber laut.
Richtige Laster gibt es auch. Verwunderlicherweise ist manchmal die Frontscheibe völlig mit einem Vorhang verschlossen (während der Fahrt wohlgemerkt). Vielleicht übernehmen die Mitfahrer hinter dem Führerhaus irgendeine Navigationsfunktion.
Ein öffentliches Nahverkehrssystem existiert nicht, Busse von unterschiedlicher Qualität (wir haben qualitative Abstufungen in Hinblick auf Komfort und Sicherheit getestet) verbinden die größeren Städte. Dabei muss man für die persönliche Reiseplanung bedenken, dass für 50 Kilometer eher zwei als eine Stunde benötigt werden. Aus diesem Grund entschieden wir uns heute für die 150 Kilometer nach Phnom Penh zehn Dollar mehr auszugeben und mit dem Taxi zu fahren. Das Auto war noch relativ neu und der Fahrer hochmotiviert, uns schnell an unser Ziel zu bringen. Um dies zu bewerkstelligen trat er auf das Gaspedal und machte hemmungslos von der Hupe Gebrauch. So signalisierte er sämtlichen anderen Verkehrsteilnehmern und auch dem kopulierenden Rindvieh auf der Straße eine der wichtigsten kambodschanischen Verkehrsregeln: mehr PS = mehr Macht. Tatsächlich erreichten wir auf diese Weise nach drei Stunden und kurz vor dem gemeinschaftlichen Übergeben unser Ziel.
Die Regel „immer in Bewegung bleiben“ hatte unser Chauffeur dabei ebenfalls ziemlich ausgereizt. Diese Regel gilt übrigens auch für Fußgänger. Nicht an der Kreuzung stehen bleiben, sondern mutig und entschlossen durch das Verkehrschaos wandeln und auf Regel Nummer drei „Rücksichtnahme“ hoffen.
Berücksichtigen sollte man dabei auch die Straßenverhältnisse: Gehwege sind, soweit vorhanden, Mülldeponie oder Straßenrestaurant oder beides gleichzeitig. Die Hauptverbindungsstraßen sind zum Teil sechspurig mit eigener Spur für Roller aber auch mal reine Schotterpisten. Letztere sind meistens vielbefahren, während wir über erstere allein mit unseren Rollern fuhren.
Radfahrer gibt es auch, allerdings vermehrt auf dem Land und eher im Kindes- und Greisenalter. In Kampot wagten sich auch einige Touristen auf klapprige Räder. Nur einmal sahen wir eine gut ausgerüstete Fahrradtruppe. Dabei hätte das Land in diesem Bereich noch Entwicklungspotential, es ist größternteils so platt wie Münster.