Tim:
Die Wochen in Kambodscha waren ein sehr eindrucksvolles Erlebnis, auch aufgrund des Individualreisens. Bei Chheaks homestay in Siem Reap konnten wir gleich am Anfang das Landleben und die gute Khmer-Küche erfahren. Der Alltag der meisten Kambodschaner scheint einfach und ohne den Komfort der westlichen Welt: kein Trinkwasser aus dem Wasserhahn, größtenteils schlichte Hütten mit "offenem Wohnbereich" im Erdgeschoß und Schlafgemächern darüber, Roller und Tuktuks statt SUVs und ÖPNV, fehlende staatliche soziale Sicherung, spärliche medizinische Versorgung, kaum bezahlbares Schulgeld für eine weiterführende Bildung.
Und doch - und gerade das fasziniert an diesem Land - machen die Menschen keinen unglücklichen Eindruck. Vielleicht liegt es am Buddhismus, der eher einer Philosophie denn einer Religion ähnelt, und an der Bestrebung, schlechtes Karma zu vermeiden (Gier, Hass, Ich-Sucht) und gutes Karma anzuhäufen?!
Jedenfalls fühlt man sich überall in diesem Land absolut sicher, selbst wenn der Taxi-Driver mit Affenzahn und ständigem Hupen über die Schotterpisten rast. Dabei hatte ich im übrigen den Eindruck, das Hupen diene vor allem auch dem Schutz der potentiell schwächeren Verkehrsteilnehmer, indem es sie vor einer herannahenden Gefahrenquelle warnt.
Neben dem subjektiven Gefühl der Sicherheit empfand ich auch die Abwesenheit der omnipräsenten Verbots- und Hinweisschilder aus der westlichen Welt - vor allem aus dem durch Großbritannien geprägten Australien - als wohltuend. Insgesamt gibt es weniger Reglements und doch funktioniert alles - aufgrund gegenseitiger Rücksichtnahme - auf seine eigene, vollkommen ausreichende Art und Weise. Einbahnstraßen können, wenn es mal sein muss, auch verkehrt herum befahren werden, Rechtsverkehr und Ampeln sind Empfehlungen, ein Geländer an Deck eines Schiffes darf - damit es unter einer Brücke herpasst - auch mal 30cm hoch sein, Ladeflächen von Pickups und LKWs sind gängige Optionen der Personenbeförderung usw.. Ich finde das toll, ohne jede Ironie.
Wer es warm mag, ist in Südostasien bestens aufgehoben. Regen haben wir im Januar nicht erlebt, aber trotzdem hatte das Klima ab und an etwas von einem überlangen Saunagang. Einerseits ist das schweißtreibend, andererseits läuft hier vermutlich kaum jemand mit Rheumabeschwerden herum. Interessant wäre es sicher, die Regenzeit einmal zu erleben, weil die Schauer eine reinigende Wirkung auf die Luft haben sollen.

Petra:
Wir waren in unserem bisherigen Leben noch nie in Asien und dann gleich Kambodscha. Nach drei Monaten in einem der reichsten Länder der Welt war es durchaus eine Herausforderung eines der ärmsten Länder Asiens zu bereisen. Obwohl in der Rankinglise des BIP nach Kambodscha fast nur noch zentralafrikanische Länder folgen, ist hier im Land Vieles erstaunlich gut organisiert. Das Wasser aus dem Wasserhahn ist zwar nicht immer, oder für uns Touristen mit empfindlichen Mägen nicht trinkbar, doch es gibt immer fließend Wasser. Auch existiert die Stromversorgung nahezu überall und auch noch in dem kleinsten Café bekommt man gleich das Wifi-Passwort mitserviert.
Zivilisationskrankheiten wie Adipositas sind hier gänzlich unbekannt, doch trotz des gesunden Essens erfreuen sich die Menschen nicht nur der besten Gesundheit. Ein großes Problem ist die Umweltverschmutzung: die Luftverschmutzung in den größeren Städten ist deutlich mit der Nase zu erspühren, das Plastikmüllproblem unverkennbar zu erspähen. Hier fehlt ein Entsorgungs- und Wiederverwertungskonzept. Als Mensch aus einem priviligierten westlichen Land fühle ich mich mitschuldig an diesem Problem. Manchmal bekommt man an den Marktständen das Essen noch in Bananen- oder Palmenblättern eingewickelt, doch meisten werden achtlos Plastiktüten verwendet. Mit der Verbreitung der Plastiktüte in jeden Winkel der Welt sind wir, die reichen Industrienationen, auch für die Entsorgung mitverantwortlich. Es wäre daher unfair, den Plastikmüll auf den Straßen anzuprangern.
Kambodscha ist ein Land mit einer rasanten Entwicklung. Unser zwei Jahre alte Reiseführer taugte nur für Angkor Wat, darüber hinaus besaßen die Informationen kaum noch Gültigkeit. Beschleunigt wird dieser Prozess durch massive chinesische Investitionen, die nur selten zum Vorteil von Kambodscha getätigt werden. Wer Kambodscha kennen lernen möchte, sollte es schnell bereisen, bevor es von China völlig vereinnahmt wird.

Kaja:
So, die Reise in Kambodscha neigt sich dem Ende. Also ist es wieder an der Zeit, eine Retrospektive zu schreiben. Fangen wir mit den Straßen an. Die meisten Straßen außerhalb der Städte sind meist staubig, mit Schlaglöchern übersät oder beides. Innerstädtig sind die Hauptstraßen gut gepflastert und gut befahren, die Nebenstraßen sind eher mit Schlaglöchern übersät und stinken manchmal nach Urin, Vergammeltem oder Ähnlichem. Außerdem leben auf der Straße auch Hunde, die aber alle sehr gechillt sind, und nicht so agro wie die mit Schleifen verzierten Möpse und die Kampfhunde. Vieleicht liegt es aber auch daran, dass niemand eine Leine kennt und Hunde nicht als Wärmekissen und Spielkameraden benutzt werden, sondern einfach nur da sind.
Die Menschen hier in Kambodscha sind alle dunkelhaarig und etwas kleiner, weswegen ich dort schon so groß wie ein Erwachsener bin, und das mit 155cm! Da die Menschen hier dunkelhaarig sind, habe ich manchmal das Problem, dass Leute (besonders alte Frauen) mein Gesicht betatschen wollen oder an meinen Haaren rumtatschen, weil ich ja blond bin. Ab und zu wollen aber auch Japaner ein Foto von mir. Einmal waren wir in einem Laden und guckten uns um (Kleidung) und dann kam da eine Japanerin und hielt ihr Handy vor uns zog mich zu sich und ich war so verdattert, dass ich nichts tun konnte. Zum Glück habe ich ja einen sehr dreisten Papa, der mich in die nächste Regalreihe schleppte.
Da Kambodscha ja in Asien liegt, essen die Leute hier viel Reis. Zu sehen gibt es in Kambodscha ja einiges, nämlich das komplette Gegenteil von Australien und Europa! Statt Kirchen gibt es hier Tempel, der berühmteste ist ,,Ankor Wat". Die meisten Tempel liegen in Siem Reap. Und statt Göttern gibt es hier Buddhas, eine Art Gott. Ja das war eigentlich schon das meiste. Ach da fällt mir ein: in Europa muss man ja einen extra Führerschein machen um Motorroller fahren zu dürfen, in Kambodscha braucht man nur einen Roller einen Zündschlüssel und Benzin. Aber keinen Führerschein.